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Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen

Der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen wird seit 1977 verliehen. In Niedersachsen hatten besonders viele deutsche Schlesierinnen und Schlesier, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten, Aufnahme gefunden und wesentlich zum Wiederaufbau des Landes beigetragen. Die Niedersächsische Landesregierung hatte diesen Preis daher seinerzeit gestiftet als Zeichen der Verbundenheit des Landes Niedersachsen mit den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Schlesierinnen und Schlesiern.

Mit dem Preis sollen die Leistungen solcher Kunst- und Kulturschaffenden gewürdigt werden, die entweder selbst aus Schlesien stammen oder deren auszuzeichnendes Werk Bezüge zu Schlesien aufweist. Gegenstand der Preisverleihung waren hervorragende Einzel- oder Gesamtleistungen auf dem Gebiet der Literatur, der bildenden Kunst und der Musik.

Getragen von dem Gedanken der Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen können seit 1991 auch polnische Künstlerinnen und Künstler, die in Schlesien wohnen, den Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Literatur, der bildenden Kunst und der Musik erhalten.

Außerdem kann der Preis für besondere Verdienste um die Erhaltung, Weiterentwicklung und Verbreitung des Kulturguts Schlesien vergeben werden. Mit dieser Neuausrichtung wurde die Erwartung verbunden, dass die öffentliche Ehrung von Preisträgerinnen und Preisträgern aus Deutschland und Polen die Begegnung von Menschen ermöglicht, die durch ihre Herkunft oder ihr Schaffen der europäischen Kulturlandschaft Schlesien verbunden sind.

Der Kulturpreis Schlesien hat sich zu einem deutsch-polnischen Begegnungspreis entwickelt. Er hat längst eine besondere Bedeutung für die Verständigung zwischen Deutschland und Polen erlangt.


44. und 45. Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen in Breslau verliehen

Pistorius: „Ein wichtiges und sichtbares Zeichen für unsere Partnerschaft sowie an die Kulturschaffenden in Niederschlesien und Niedersachsen“

Przybylski: „Der Kulturpreis Schlesien ist ein Synonym für regionale und internationale Zusammenarbeit“


Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hat heute (2. Oktober 2021) gemeinsam mit dem Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Cezary Przybylski, den 44. und 45. Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen verliehen. Die feierliche Auszeichnung der Preisträgerinnen und Preisträger der Jahre 2020 und 2021 fand in der Breslauer Oper vor zahlreichen, geladenen Gästen statt. Im vergangenen Jahr musste die geplante Preisverleihung pandemiebedingt verschoben werden.

Minister Pistorius: „Die heutige Auszeichnung der Preisträgerinnen und Preisträger für erstmals zwei Jahre ist ein wichtiges und sichtbares Zeichen für die Partnerschaft zwischen der Woiwodschaft Niederschlesien und dem Land Niedersachsen. Im vergangenen Jahr konnten die gemeinsamen Feierlichkeiten leider nicht stattfinden. Die Pandemie bedeutete gerade für die Kulturschaffenden eine tiefe Zäsur und es wird noch ein wenig dauern, bis insbesondere der kulturelle und grenzübergreifende Austausch wieder vollständig hochgefahren wird. Daher ist mit dieser Preisverleihung auch ein positives Signal an die Kulturschaffenden verbunden, denn ihre Arbeit ist für den Erhalt und die Förderung des schlesischen Kulturerbes elementar. Die Jury hatte daher Anfang dieses Jahres beschlossen, einmalig sogar zwei Sonderpreise zu verleihen. Alle Preisträgerinnen und Preisträger haben Außergewöhnliches in unterschiedlichsten kulturellen Bereichen geleistet. Ich bin froh, dass wir heute ihre Leistungen entsprechend und im großartigen Rahmen der Breslauer Oper würdigen konnten.“

Marschall Przybylski: „Die Kultur, die unsere Zeit erzählt, braucht ihre Verleger. Diese Stimme muss überall deutlich zu hören sein. Der Kulturpreis Schlesien schafft Dialog und Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen und ist die Grundlage, auf der wir Schritt für Schritt eine Gemeinschaft von Menschen und Regionen aufbauen. Als Nachbarn.“

Bereits am 1. Oktober 2021 hatte auf Einladung von Marschall Przybylski ein Vorabendempfang stattgefunden. Im Anschluss daran besuchten die Gäste die Breslauer Oper, in der "Don Giovanni" von W.A. Mozart aufgeführt wurde.

Im Rahmen seiner Rede während des Festaktes am 2. Oktober 2021 ging Minister Pistorius auch auf die besondere europäische Dimension des Kulturpreises Schlesien ein: „Theodor Heuss soll einmal gesagt haben, dass man mit Politik keine Kultur machen kann, aber vielleicht könne man mit Kultur Politik machen. Ich will ehrlich sein: Mein persönlicher politischer Blick nach Polen ist nicht sorgenfrei, gerade aktuell mit Blick auf die Geschehnisse an der Grenze zu Belarus oder die jüngsten Entwicklungen im polnischen Justizsystem. Umso wichtiger ist mir, dass wir heute den europäischen Gedanken gemeinsam betonen: die Solidarität zwischen unseren Staaten und die unumstößlichen Werte der Europäischen Union.“

Minister Pistorius blickte außerdem bereits auf die nächste Preisverleihung, die turnusmäßig wieder in Niedersachsen stattfinden wird: „In diesem Jahr mussten leider – auf Grund der besonderen Rahmenbedingungen durch die Pandemie – zahlreiche Gäste ihre Teilnahme an der Verleihung absagen. Ich weiß, dass für viele die Fahrt nach Niederschlesien etwas ganz Besonderes ist und die Absage daher umso schmerzhafter gewesen sein muss. Ich hoffe auch deswegen sehr, dass wir im kommenden Jahr noch bessere Rahmenbedingungen haben werden und möglichst viele Gäste an der Verleihung teilnehmen können.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Kurz-Portrait:

Hauptpreisträgerin 2020: Aleksandra Kurzak

Als Tochter der Opernsängerin Jolanta Żmurko und des Hornisten Henryk Kurzak am 7. August 1977 in Brzeg Dolny geboren, hatte Aleksandra Kurzak bereits die Musik „in die Wiege gelegt“ bekommen. Nach einer hervorragenden musikalischen Ausbildung und Stationen wie der Hamburger Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera und dem Royal Opera House in London habilitierte Aleksandra Kurzak 2016 in Musikkunst und besitzt seit 2021 den Professorinnentitel im Bereich der Musikkunst. Sie verbindet somit eine großartige Karriere in der Kunst mit einer pädagogischen Laufbahn.

Hauptpreisträger 2020: Prof. Dr. Matthias Weber

Nach seiner Geburt in Ludwigsburg bei Stuttgart legte er in der schwäbischen Metropole den Grundstein einer beeindruckenden akademischen Karriere. Als Direktor des Bundesinstitutes für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg beschäftigt sich Matthias Weber intensiv mit dem historischen und gegenwärtigen Schlesien und konnte dabei durch seine Forschungen immer wieder Diskussionen und Debatten anregen. Darüber hinaus prägt Prof. Dr. Matthias Weber das Museum Friedland in seiner Rolle als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates.

Sonderpreisträger des Jahres 2020: Stiftung zur Pflege des industriellen Erbes Schlesiens

Die 2007 gegründete Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, besonders für Schlesien charakteristische und technische Relikte zu schützen und zu erhalten. Dazu engagiert sich die Stiftung in der industriegeschichtlichen Forschung und im Bereich der Bildung, in dem der geschichtliche Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung Schlesien beleuchtet wird. Zu diesem Zweck betreibt die Stiftung das 2005 gegründete Eisenbahnmuseum in Schlesien in Jaworzyna Śląska (Königszelt) und eröffnete 2016 das Zinkverhüttungsmuseum „Walzwerk“ in Katowice (Kattowitz). Außerdem bereitet die Stiftung die Eröffnung weiterer Museen vor. Bereits heute besuchen jährlich über 70.000 Menschen die Museen.

Hauptpreisträgerin 2021: Roswitha Schieb

Roswitha Schieb ist als freie Autorin und Publizistin bereits seit vielen Jahren eng mit Schlesien verbunden. Dabei ist in ihren verschiedenen Werken eine Entwicklung zu spüren, die man auch als eine immer größer werdende Verbindung zu Schlesien deuten kann. Roswitha Schieb, die 1962 in Recklinghausen zur Welt gekommen ist, schafft es immer wieder, ihre Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen, während sie die Heimat ihrer Eltern erkundet. In den vergangenen zwanzig Jahren veröffentlichte Roswitha Schieb eine große Zahl von Büchern mit Bezug zu Schlesien. Dabei hat sie sich auch mit der Verbindung Berlins mit Schlesien auseinandergesetzt und die Stadt Breslau genauer betrachtet.

Hauptpreisträger 2021: Sylwester Chęciński

Sylwester Chęciński wurde 1930 in Susiec im Kreis Tomaszów Lubelski geboren. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung der Staatlichen Film-, Fernsehen- und Theaterhochschule erarbeitete sich Chęciński den Ruf eines der größten und besten Regisseure Polens. Dabei bietet sein Portfolio sowohl Komödien als auch Kurz- wie auch Kriegsfilme. Seine besondere Rolle im polnischen Film zeigt sich auch an den zahlreichen Auszeichnungen, die Chęciński bereits erhalten hat, darunter den Kulturpreis der Stadt Breslau im Jahr 1968, den Preis der Stadt Breslau im Jahr 2000, das Komturkreuz des Ordens Polonia Restituta und den Platinlöwen für sein Lebenswerk des 39. Filmfestivals in Gdynia. Außerdem ist er Ehrenbürger der Stadt Breslau und von Niederschlesien.

Sonderpreisträger des Jahres 2021: Das Deutsch-Polnische Jugendjazzorchester

Seit der Gründung des Orchesters im Jahr 2004 anlässlich der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf Polen konnten in beiden Ländern viele Konzerte gegeben werden. Im jährlichen Wechsel werden in Niedersachsen und in der Region Wielkopolska (Polen), die Arbeitsphasen des Deutsch-Polnischen Jugendjazzorchester DPJJO durchgeführt. Dabei erarbeiten die 19 jungen, hochbegabten Musikerinnen und Musiker ein vielfältiges Big-Band-Programm. Neben Big-Band-Standards präsentiert das Jazzorchester deutsche und polnische Werke zeitgenössischer Jazz-Komponisten sowie Kompositionen aktueller Mitglieder des DPJJO.

Sonderpreisträger des Jahres 2021: Festival „Literatur der Berge“ – Festiwal „Góry Literatury“

Seit dem ersten Festival im Jahr 2015 hat sich die Veranstaltung zu einem Anlaufpunkt für Literaturfreunde aus ganz Europa entwickelt. Dabei stehen die grenzüberschreitenden Kontakte und die Zusammenarbeit im Zentrum des Festivals. In der einstiegen Bergbaustadt Nowa Ruda hat sich ein ganz besonderes Festival etabliert, bei dem jede Besucherin und jeder Besucher der Zauber der Region verdeutlicht wird. Das Festival wächst in jedem Jahr und zieht mehr und mehr Gäste an.


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