Nds. Ministerium für Inneres und Sport klar

Pistorius: „Weiterhin werden weniger Menschen in Niedersachsen Opfer von Straftaten“

- Im dritten Jahr in Folge weniger Opfer von Straftaten

- Weit überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge begeht keine Straftaten

- Mehr Wohnungseinbrüche

„Die Menschen in Niedersachsen leben in einem sicheren Bundesland. Es ist positiv, dass die Zahl der Opfer im Vergleich der letzten 10 Jahre einen Tiefststand erreicht hat. Diese Entwicklung, die geringe Gewaltkriminalität sowie die gesunkene Anzahl der Rohheitsdelikte sind ein deutlicher Indikator dafür, dass sich die Menschen in Niedersachsen sicher fühlen können. Unsere Polizei leistet dafür einen wichtigen Beitrag", so der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, bei der heutigen (15. Februar 2016) Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2015. Der Minister hob dabei hervor, dass auch der oft diskutierte Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität nicht zu einem besonderen Anstieg der Gesamtzahlen geführt habe. Pistorius: "Flüchtlinge begehen in keinem unverhältnismäßig hohen Umfang Straftaten. Die weit überwiegende Mehrheit begeht keine Straftaten. Das belegen auch unsere Erfahrungen an den Standorten der Erstaufnahmeeinrichtungen." Zu dem Anstieg bei den Zahlen der Wohnungseinbrüche sagte der Minister: "Trotz unserer intensiven Maßnahmen in diesem Bereich sind die Zahlen gestiegen. Darum ist es neben der nötigen Polizeiarbeit wichtig, den baulichen Schutz vor Einbrüchen weiter zu verbessern, denn auch 2015 sind rund 40 Prozent der Einbrüche abgebrochen worden."

- Im dritten Jahr in Folge weniger Opfer von Straftaten -

Im Vergleich zum Vorjahr wurden mit 93.784 fast 800 Menschen weniger Opfer einer Straftat (minus 0,81 Prozent). Damit liegt die Zahl der Opfer schon zum dritten Mal in Folge deutlich unter der 100.000er-Grenze.

„Das ist positiv und gleichzeitig der Tiefststand der letzten 10 Jahre. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist damit nochmals gesunken", so Pistorius.

Um ein noch besseres Verständnis für die Art und Intensität der deliktsspezifischen Belastung der Opfer zu erhalten und hilfreiche Anhaltspunkte für die Polizeiarbeit zu gewinnen, führt das Landeskriminalamt Niedersachsen regelmäßig opferbezogene Dunkelfeldstudien durch. Die Ergebnisse der aktuellen zweiten Dunkelfeldstudie zur Opferwerdung in Niedersachsen bekräftigen die Aussage, die sich schon aus der Kriminalstatistik ableiten lässt. Die Furcht der Menschen in Niedersachsen vor Kriminalität ist insgesamt gering und hat sich seit der ersten Befragung noch weiter verringert; diese Entwicklung ist für die Menschen in Niedersachsen gut und damit ein Zugewinn für die Sicherheit unseres Landes.

- Kriminalität im Kontext der Flüchtlingsbewegung -

Die Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik zeigt, dass Flüchtlinge keinesfalls in einem unverhältnismäßig hohen Umfang Straftaten begehen. Die weit überwiegende Mehrheit tritt polizeilich nicht in Erscheinung. Das belegen auch die polizeilichen Erfahrungen an den Standorten der Landesaufnahmebörde.

- Kriminalitätszahlen gestiegen -

Insgesamt ist die Kriminalität 2015 in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen. Es wurden 15.740 Fälle mehr bekannt, insgesamt wurden 568.470 Fälle registriert. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Zunahme der Fallzahlen zu einem großen Teil auf die hohe Zahl sogenannter „ausländerrechtlicher Verstöße" im Zusammenhang mit dem großen Zustrom von Flüchtlingen zurückzuführen ist. Lässt man die hohe Zahl dieser sogenannten „ausländerrechtlichen Verstöße" bei den Gesamtzahlen der Jahre 2014 und 2015 unberücksichtigt - sozusagen als statistische Besonderheit infolge der starken Zugänge - dann ergibt sich im Vorjahresvergleich eine Zunahme von 4.568 Taten, also eine Zunahme von weniger als einem Prozent (0,84%).

Dies ist sogar weniger als zu erwarten war, denn die Zuwanderung von mindestens 100.000 Menschen im vergangenen Jahr hat die Bevölkerung in Niedersachsen um mehr als 1% anwachsen lassen, was entsprechende Steigerungen bei den Fallzahlen erwarten ließe.

Die Aufklärungsquote ist annähernd stabil geblieben und liegt mit 61,17 % leicht über dem Wert des Vorjahres (60,61 %).

- Mehr Wohnungseinbrüche -

Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat zugenommen (plus 13,11 Prozent). 2015 wurden der Polizei 16.575 Fälle bekannt, 1.921 Taten mehr als 2014. Damit sind die Zahlen nach einem Rückgang im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Ein besonderes Phänomen stellt dabei der Tageswohnungseinbruch (Tatzeit zwischen 06:00 und 21:00) dar; rund 40 Prozent der Taten ereigneten sich in dieser Zeit. 22,2 Prozent der Einbrüche wurden aufgeklärt.

Minister Pistorius sagte: „Wir verbessern fortlaufend die kriminalistische Arbeit speziell in diesem Deliktsfeld. Auch die Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen wurden erheblich intensiviert. Trotzdem sind die Zahlen gestiegen." Der Minister wies allerdings darauf hin: „Auch im vergangenen Jahr sind fast 40 Prozent (38,99 %) der Taten, insgesamt 6.462 Fälle, im Versuchsstadium stecken geblieben. Das zeigt, dass sich der Einsatz geeigneter Sicherungstechnik lohnt, um viele Einbrüche wirksam zu vereiteln." Ein Vorstoß der Innenministerkonferenz zur Einführung gesetzlicher Mindeststandards zum Einbruchschutz bei Neubauten wurde durch die Bauminister bedauerlicherweise abgelehnt. „Über die polizeilichen Maßnahmen hinaus sollte jede Bürgerin und jeder Bürger aufmerksam sein und die angebotenen Präventionshinweise in Anspruch nehmen. Die Polizei ist dafür erster Ansprechpartner", so Minister Pistorius.

- Insgesamt weniger Rohheitsdelikte / weiterhin niedrige Zahl bei Gewaltdelikten

Bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit wurde wiederum ein leichter Rückgang der Fallzahlen verzeichnet. Zu dieser Hauptgruppe zählen neben einfachen Körperverletzungsdelikten auch Fälle der gefährlichen und schweren Körperverletzung sowie u.a. die Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Darüber hinaus umfasst diese Hauptgruppe die speziellen Formen des Raubes, also u.a. des Diebstahls einer Sache unter Gewaltanwendung oder die räuberische Erpressung und den räuberischen Angriff auf Kraftfahrer.

Letztes Jahr wurden in dieser Hauptgruppe insgesamt 74.736 Fälle registriert. Dies bedeutet gegenüber 2014 eine Reduzierung um 570 Fälle.

Im Bereich der Gewaltdelikte, zu denen Taten wie Mord, Totschlag, Raub und auch Körperverletzungsdelikte gerechnet werden, wurde im Vergleich der Jahre 2014 und 2015 eine geringfügige Steigerung von 115 Fällen auf nunmehr 17.568 Fälle festgestellt. Hier ist anzunehmen, dass diese Steigerung unter anderem auch auf eine deliktsspezifische Dunkelfeldaufklärung zurückgeführt werden kann. Gerade im Bereich der „Häuslichen Gewalt", bei der Körperverletzungen charakteristisch sind, werden zwischenzeitlich wesentlich mehr Delikte als noch vor einigen Jahren angezeigt bzw. auch durch die Ermittlungen der Polizei bekannt.

Trotz der angesprochenen leichten Zunahme hat die Zahl der Gewaltdelikte im Lauf der letzten 10 Jahre deutlich abgenommen. Während im Jahr 2009 noch 22.039 Delikte dieser Art, im Jahr 2012 noch 19.550 Gewaltdelikte, bekannt wurden, waren es im vergangenen Jahr fast 4.500 bzw. fast 2.000 Taten weniger, als in den genannten Vorjahren.

- Cybercrime -

Eine Bewertung der Kriminalitätsentwicklung für diesen Bereich auf Grundlage der PKS ist aufgrund der Tatorterfassungsproblematik und des hohen Dunkelfeldes nur sehr eingeschränkt möglich. Im Jahr 2015 weist die PKS einen Rückgang um 584 Fälle auf insgesamt 3.200 Fälle von Cybercrime im engeren Sinne aus. Auf der Grundlage der Auswertung zu den tatsächlich geführten Ermittlungsverfahren wird festgestellt, dass die niedersächsische Polizei im Jahr 2015 tatsächlich in etwas mehr als 11.000 Fällen (Vorjahr knapp 12.000 Fälle) ermittelt hat, von denen aber nur die genannten 3.200 Fälle (Vorjahr 3.784 Fälle) in die Zählung der PKS eingeflossen sind. Die Hauptursache dafür ist, dass Straftaten mit Tatort im Ausland nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik berücksichtigt werden.

Bei Cybercrime im weiteren Sinne, also bei Straftaten unter Nutzung des Internets, wurden 35.311 Fälle bekannt.

Hervorzuheben ist der Umstand, dass fast jede dritte Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Nutzung des Tatmittels Internet begangen wird.

Minister Pistorius: „Wir werden auch weiterhin gegen das Phänomen der Cybercrime konsequent vorgehen. Dort haben wir in den letzten Jahren schon einiges auf den Weg gebracht, zum Beispiel die Qualifizierungsoffensive, die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten und die geplanten Einstellungen von 22 zusätzlichen IT-Experten."

- Rückgang bei der Kinder- und Jugendkriminalität -

Zum erneuten Rückgang im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität sagt Minister Pistorius: „Die Anzahl der von minderjährigen Straftätern begangenen Taten ist um 889 Fälle bzw. 2,45 % zurückgegangen und erreicht damit den niedrigsten Wert der letzten 10 Jahre. Das bewerten wir natürlich positiv", so Minister Pistorius.

Anlage

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15.02.2016

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