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Kriminalitätsstatistik 2018: Weiterer deutlicher Rückgang in den allermeisten Deliktsfeldern

Pistorius: „Ich freue mich über eine noch einmal höhere Aufklärungsquote und gleichzeitig deutlich niedrigere Kriminalitätsbelastung“


„Der positive Trend bei der Kriminalitätsstatistik 2017 hat sich auch 2018 weiter fortgesetzt!“ Das ist das zentrale Fazit des niedersächsischen Ministers für Inneres und Sport, Boris Pistorius, bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) am heutigen Montag (4. März 2019) im niedersächsischen Innenministerium. „Die Kriminalität ist in den meisten Kriminalitätsbereichen im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. In vielen Deliktsfeldern sogar auf die niedrigsten Werte der vergangenen zehn Jahre oder sogar darüber hinaus. 2018 wurden etwa 506.000 Fälle registriert. Das sind fast 20.000 Fälle weniger als 2017 und damit nochmals ein Rückgang von knapp vier Prozent“, so Pistorius.

Ähnlich sieht es bei der sogenannten Häufigkeitszahl aus: Dabei wird die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner errechnet. Pistorius: „Anhand der Häufigkeitszahl ist es möglich, die Zahl der Straftaten in das Verhältnis zur Bevölkerungszahl zu setzen. Sie ist damit ein - wenn nicht der - wichtigste Indikator der tatsächlichen, polizeilich erfassten Kriminalitätsbelastung. Sie liegt aktuell bei 6.362, das ist der niedrigste Wert, der seit fast 40 Jahren, nämlich seit 1980, erreicht wurde.“

Auch die Aufklärungsquote ist 2018 erneut gestiegen und liegt bei 62,8 Prozent - der höchste Stand seit 2010. Pistorius: „Das ist ein weiterer Beleg für die anhaltend gute und akribische Arbeit der niedersächsischen Polizei. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Polizeibeschäftigten für ihre wertvolle Arbeit!“

Wohnungseinbrüche

Beim Wohnungseinbruchdiebstahl ist erneut ein deutlicher Rückgang der Fälle um gut 17 Prozent beziehungsweise 2.393 auf insgesamt 11.202 Fälle zu verzeichnen. Pistorius: „Nachdem uns Einbrüche seit 2013 immer mehr durch teils deutlich ansteigende Zahlen beschäftigt haben, sind die Zahlen inzwischen stark gesunken. Wir hatten 2018 etwa ein Drittel weniger Taten als noch drei Jahre vorher. Das ist gleichzeitig ein 10-Jahres-Tief.“

Dennoch, so der Minister, sei es wichtig, dass das Thema gerade auch im Bereich der Prävention weiter im Fokus bleibt: „Die Versuchsquote bei Wohnungseinbrüchen stieg in den vergangenen Jahren auf aktuell etwa 41 Prozent an. Das bedeutet, dass mehr als vier von zehn Einbrüchen im Versuch stecken bleiben und die Einbrecher aufgeben. Der Grund dafür ist vor allem, dass immer mehr Menschen ihre Wohnung oder ihr Haus besser gegen Einbrecher sichern. Effektiver Einbruchschutz ist keine Zauberei und wird sogar durch die KfW gefördert. Außerdem werde ich mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass diese staatliche Fördermöglichkeit, etwa einbruchshemmender Fenster oder Türen bei Bestandsbauten, auch auf Neubauten übertragen wird. Es wäre sinnvoll, wenn das auf Bundesebene endlich realisiert würde.“

Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte

Die Delikte, bei denen Polizeibeamtinnen und -beamte Opfer einer Straftat geworden sind, sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 3.004 gesunken.

1.152 Polizeibeamtinnen und -beamte wurden dabei verletzt, 13 davon schwer. Die Gewalt gegen Rettungskräfte ist auf 245 Fälle (2017: 215 Fälle) um 14 Prozent angestiegen und erreicht damit seit Erfassungsbeginn ein Allzeithoch. Drei Personen wurden dabei schwer verletzt. Innenminister Pistorius: „Jeder Angriff auf Rettungskräfte, Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleute ist absolut inakzeptabel, verwerflich und durch nichts zu entschuldigen. Wer diese Personen angreift, greift den gesamten Rechtsstaat an. Darum habe ich mich dafür eingesetzt, den § 114 StGB anzupassen. Hier gilt jetzt: für tätliche Angriffe auf Rettungskräfte, Feuerwehrleute oder Polizeibeamtinnen und -beamte ist ein Strafmaß von drei Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe vorgesehen.“

Angriffe mit Stichwaffen

2018 wurden 3.754 Fälle mit dem Tatmittel Stichwaffe registriert, das ist etwas weniger als im Vorjahr. Der Anteil der Straftaten, die im vergangenen Jahr mithilfe einer Stichwaffe begangen wurden, nimmt einen Anteil von etwa 0,7 Prozent aller Taten ein. Sieben Personen wurden 2018 (2017: 15) tödlich, 135 (2017: 109) schwer und 963 (2017: 901) leicht verletzt.

Gemäß bundeseinheitlicher Regelungen zur Erfassung von Straftaten durch die PKS werden Straftaten, bei denen Messer oder sonstige Stichwaffen verwendet werden, derzeit nicht gesondert in der PKS erfasst. Vor diesem Hintergrund werden in Niedersachsen - unbenommen der aktuellen Befassung auf Bundesebene - seit Anfang 2019 Angriffe mit Stichwaffen so erfasst, dass zukünftig differenziertere Recherchemöglichkeiten bestehen werden. Innenminister Pistorius: „Straftaten, die mit einer Stichwaffe, fast immer mit Messern, begangen werden, können zum Tod führen und sind verachtenswert. Solche Taten tragen zu einem geringeren Sicherheitsempfinden der Menschen bei. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir in Niedersachsen unabhängig von der Vorgehensweise anderer Länder die Straftaten mit Stichwaffen seit diesem Jahr gesondert auswerten können.“

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind - entgegen der Gesamtentwicklung der Kriminalität - um 16 Prozent beziehungsweise 920 auf insgesamt 6.669 Fälle gestiegen. Das entspricht rund ein Prozent der Gesamtkriminalität. Die Aufklärungsquote liegt insgesamt mit knapp 85 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Dieser starke Anstieg der Fälle ist insbesondere auf die Reform des Strafrechts und die Einführung des Straftatbestands der sexuellen Belästigung gemäß § 184 i StGB zurückzuführen. Hinsichtlich aller Sexualstraftaten steigt die Gesamtanzahl der Tatverdächtigen um 752 auf 5.189 und damit um knapp 17 Prozent.

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04.03.2019

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