Behrens: „Die entscheidenden Stellen und Organisationen für den Bevölkerungsschutz in unserem Land arbeiten professionell und eng verzahnt zusammen“
Die Niedersächsische Ministerin für Inneres, Sport und Digitalisierung, Daniela Behrens, hat heute (03.06.2026) auf der Weltleitmesse INTERSCHUTZ 2026 für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz in Hannover gemeinsam mit Landesbranddirektor Dieter Rohrberg die Jahresbilanz „Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst 2025“ sowie die neu aufgestellte „Strategie Katastrophenschutz Niedersachsen“ vorgestellt.
Der Bericht für das vergangene Jahr zeigt, dass sich die Entwicklungen insbesondere mit Blick auf die niedersächsischen Feuerwehren weiter positiv gestalten:
So sind im Bereich der Nachwuchsgewinnung – bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren – die Zahlen in 2025 erneut deutlich gestiegen. 788 Mädchen und Jungen haben im vergangenen Jahr entschieden, sich in den Jugendfeuerwehren in Niedersachsen zu engagieren. Damit stieg die Anzahl der Mitglieder dort auf 32.205.
Für die Ministerin ein wichtiges Signal: „Die Kinder- und Jugendfeuerwehren sichern die Zukunft des flächendeckenden Brandschutzes in Niedersachsen. Zudem stärken sie in ihren Kommunen das Gemeinschaftsgefühl, denn sie sind ein wichtiger Ort des Austausches und des Zusammenhalts für junge Menschen. Umso wichtiger ist es, dass sich Mädchen und Jungen durch die Arbeit und das Engagement der Mitglieder sowie ihrer Betreuerinnen und Betreuer angesprochen fühlen und eintreten. Dank deren toller Arbeit gelingt es, dass der Nachwuchs in den Einsatzabteilungen zu 50 Prozent aus den Jugendfeuerwehren kommt.“
Insgesamt stehen die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen stabil und sicher aufgestellt da. Umso wichtiger ist es, dass sie gute Rahmenbedingungen vorfinden. Durch eine kontinuierliche Beschaffung moderner Technik und Fahrzeuge sowie eine fundierte, professionelle und bedarfsgerechte Ausbildung, die immer stärker durch Online-Angebote ergänzt wird, stellt Niedersachsen sicher, dass die Einsatzkräfte auch auf kommende Herausforderungen vorbereitet sind.
Dazu gehören auch moderne Unterbringungsmöglichkeiten beim Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) beispielsweise am Standort Loy. Dort entsteht aktuell mit einem Investitionsvolumen von 7,9 Millionen Euro ein neues Bettenhaus.
Behrens: „Wir wollen auch in Zukunft viele Frauen und Männer für ein Ehrenamt im Brand- und Katastrophenschutz begeistern. Sie sorgen täglich für unsere Sicherheit und leisten Hilfe, wenn wir in großer Not sind. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen in der Aus- und Fortbildung, eine gute Ausstattung und vor allem Wertschätzung für das Engagement der Einsatzkräfte.“
Das Land Niedersachsen stärkt zudem den kommunalen Brandschutz vor Ort und unterstützte im vergangenen Jahr insgesamt 30 besonders finanzschwache Landkreise, Städte, Gemeinden und Samtgemeinden.
Landesbranddirektor Dieter Rohrberg sagt: „Diesen Kommunen hat das Land Niedersachsen 18,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Sie investieren das Geld unter anderem in neue Feuerwehrhäuser und Feuerwehrfahrzeuge. Damit schaffen wir die Grundlage, damit Niedersachsen auch künftig moderne und attraktive Feuerwehren vor Ort hat. Mit einer zeitgemäßen Ausstattung der Einsatzkräfte sorgen wir für die Sicherheit der Menschen in unserem Land.“
Nach dem Hochwasser 2023/2024 hatte das Land die Beschaffung von Einsatzmitteln zur Bekämpfung solcher Lagen für rund 15 Millionen Euro beschlossen. Im vergangenen Jahr wurden diese nun ausgeliefert. Damit wurde die Schlagkraft zur Hochwasserbekämpfung im niedersächsischen Katastrophenschutz deutlich erhöht.
Zudem wurden neun geländegängige Krankentransportwagen für den Einsatz bei Hochwasser und anderen Extremwettereignissen in den Dienst gestellt und es erfolgte der Rollout einer Stabsunterstützungssoftware für alle niedersächsischen Katastrophenschutzbehörden. Die Einführung stellte einen wichtigen Schritt dar, um die ebenenübergreifende Kommunikationsfähigkeit in einem Katastrophenfall sicherzustellen und die Anforderung überörtlicher Hilfe – wie beim Hochwasser 2023/2024 in mehreren Teilen Niedersachsens benötigt – zu beschleunigen.
Neben dem weiteren Ausbau der Telenotfallmedizin war ein wichtiger Baustein in 2025 der Start der Erprobung der neuen Versorgungsressource „Akut-Einsatzfahrzeug“ in den Landkreisen Vechta, Cloppenburg, Goslar und der Stadt Oldenburg. Die „Akut-Einsatzfahrzeuge“ sind kleiner als Rettungswagen, mit einem Gemeindenotfallsanitäter besetzt und kommen vor allem bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen und Verletzungen zum Einsatz, die direkt vor Ort ambulant versorgt werden können. So sollen andere Rettungsmittel entlastet und ein Transport ins Krankenhaus bestenfalls vermieden werden. Die ersten Erfahrungen mit dem „Akut-Einsatzfahrzeug“ bestätigen auch, dass sie das Potenzial haben, die Rettungsdienste zu entlasten und eine bedarfsgerechte Versorgung der Hilfeersuchenden sicherzustellen.
Neben der Jahresbilanz 2025 stellten Innenministerin Behrens und Landesbranddirektor Rohrberg die Strategie Katastrophenschutz Niedersachsen vor, die Ende März vom Kabinett der Landesregierung verabschiedet wurde:
Krisen und Katastrophen wie die Corona-Pandemie, die Flutkatastrophe im Ahrtal oder der russische Angriffskrieg auf die Ukraine haben gezeigt, vor welchen komplexen Herausforderungen der Katastrophenschutz bereits heute steht und auf welche Entwicklungen der Brand- und Katastrophenschutz eingestellt sein muss.
Mit der „Strategie Katastrophenschutz“ legt die Landesregierung nun eine mehrjährige Planung vor, die auf der Grundlage der Erkenntnisse aus den zurückliegenden Krisen und Katastrophen die künftigen Herausforderungen herausarbeitet. Damit geht der Katastrophenschutz in Niedersachsen einen wichtigen Schritt, um für die Aufgaben der Zukunft vorbereitet zu sein.
Ministerin Behrens betont: „Das Land Niedersachsen hat allein seit 2022 rund 185 Millionen Euro in den Katastrophenschutz investiert. Damit haben wir unter anderem mobile Deiche, Technik zur Trinkwasserversorgung und geländegängige Krankentransportwagen angeschafft. Dass unser Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in Niedersachsen funktioniert, haben auch vergangene Krisen wie das Weihnachtshochwasser 2023 in Niedersachsen deutlich bewiesen. Die entscheidenden Stellen und Organisationen in unserem Land arbeiten professionell und eng verzahnt zusammen. Das schützt und rettet Leben, sorgt für Sicherheit und stärkt unser Gemeinschaftsgefühl. Damit das so bleibt und unser Katastrophenschutz den Herausforderungen angepasst noch besser wird, rüsten wir uns nun mit klarem Blick in Richtung Zukunft – mit der ‚Strategie Katastrophenschutz Niedersachsen‘.“
Die Ministerin identifiziert vor diesem Hintergrund drei Referenzszenarien, die für die Fortentwicklung des Katastrophenschutzes in Niedersachsen gelten werden:
- Folgen des Klimawandels mit den daraus resultierenden Extremwetterereignissen wie Starkregen, Überflutung, Sturmflut, Hitze und Dürre mit steigender Vegetationsbrandgefahr sowie Wintereinbrüchen mit Starkschneefall.
- Versorgungsmangellagen mit Einschränkungen und Ausfällen von Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen.
- Hybride Bedrohungslage bis zur Zivilschutzlage infolge der veränderten europäischen Sicherheitslage.
Ausgehend von diesen Szenarien wurden zur Fortentwicklung des niedersächsischen Katastrophenschutzes in drei Handlungsfeldern insgesamt zehn Ziele herausgearbeitet:
Das Handlungsfeld Resilientes Niedersachsen mit den Zielen:
- Etablierung von Krisenmanagementstrukturen,
- Wirksame Absicherung Kritischer Infrastrukturen (KRITIS),
- Härtung und Ausbau von Mechanismen zur Ersatzkommunikation,
- Sensibilisierung der Bevölkerung und Steigerung der Selbsthilfefähigkeit.
Das Handlungsfeld Vorbereitender Katastrophenschutz mit den Zielen:
- Weiterentwicklung der Katastrophenschutzplanung,
- Fortführung und zielgerichteter Ausbau von materieller und infrastruktureller Vorsorge,
- Verstetigung der Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.
Das Handlungsfeld Zukunftsallianz Katastrophenschutz mit den Zielen:
- Nachhaltige Stärkung von Fähigkeiten im Katastrophenschutz,
- Aus- und Fortbildung sowie Übungen als Garant für beständiges Engagement,
- Zukunftssicherung von ehrenamtlichen Strukturen im Katastrophenschutz.
Auf Grundlage der beschlossenen Strategie wird nun ein Umsetzungskonzept erarbeitet, mit dem die identifizierten Ziele und Maßnahmen schrittweise konkretisiert werden sollen.
Besondere Bedeutung kommt im Rahmen der Strategie der Risiko- und Krisenkommunikation zu. Mit dem Notfall-Monitor Niedersachsen verfügt die Landesregierung bereits heute über eine zentrale Informationsplattform, auf der Hinweise zur Vorsorge, aktuelle Gefahrenlagen und konkrete Verhaltensempfehlungen gebündelt bereitgestellt werden. Aufbauend auf diesen Strukturen soll die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der Strategie weiter fortentwickelt und gestärkt werden.
Behrens: „Niedersachsen hat einen starken, professionellen Katastrophenschutz, der auch in Zukunft leistungsfähig und bedarfsgerecht aufgestellt sein wird. Moderne Krisenvorsorge bedeutet deshalb nicht nur gute Ausstattung und leistungsfähige Einsatzstrukturen, sondern auch eine verlässliche Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Gerade in Zeiten von Falschinformationen ist es Aufgabe des Staates, die Menschen schnell, verständlich und seriös zu informieren. Deshalb ist die Risiko- und Krisenkommunikation in der ‚Strategie Katastrophenschutz ein wichtiger Baustein, der im Fall der Fälle den Menschen in Niedersachsen Hilfe und Unterstützung sein wird.“