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Cybercrime

Unsere moderne Gesellschaft ist heute ohne die immer stärker zunehmende Digitalisierung und die über territoriale Grenzen hinweg stattfindende Vernetzung von Informations-, Steuerungs- und Versorgungssystemen nicht mehr vorstellbar. Neben den sich daraus ergebenden großen und vielfältigen Chancen für alle Bereiche des täglichen Lebens bedingt die zunehmende Abhängigkeit von einem anwachsenden Cyberraum eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. So sind die Bevölkerung, der Staat, kritische Infrastrukturen sowie Wissenschaft und Wirtschaft zum einen auf eine verlässliche Technologie angewiesen und müssen zum anderen zeitgleich vor kriminellen Handlungen in der Welt des Internets geschützt werden. Seit geraumer Zeit nehmen die Anzahl, die Komplexität und Professionalität von elektronischen Angriffen in ihrer Intensität zu. Dabei kann oft nicht auf die Identität oder die Motivation des Angreifers geschlossen werden.

Cybercrime umfasst die Straftaten, die sich gegen das Internet, weitere Datennetze, informationstechnische Systeme oder gegen deren Daten richten, beinhaltet aber auch die Straftaten, die mittels dieser Informationstechnik begangen werden. Der Begriff der Cybercrime wird für nahezu alle kriminellen Handlungen im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens verwendet.

Für den Bereich der niedersächsischen Polizei veröffentlichte das Landeskriminalamt Niedersachsen, Kriminologische Forschung und Statistik (KFS), im Jahr 2013 einen Bericht zu Kernbefunden der Studie „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen" (Dunkelfeldforschung). Ein Teil der gestellten Fragen bezog sich auf den Bereich Cybercrime. Es zeigte sich, dass das Anzeigeverhalten in den Bereichen Cybercrime und Sexualdelikte am niedrigsten liegt, abweichend insbesondere zu den Eigentumsdelikten. Bezüglich bestimmter Einzelphänomene weist die PKS gerade einmal fünf Prozent der tatsächlich durch die Befragten festgestellten Cybercrime-Delikte aus.

In dem Bewusstsein der besonderen Herausforderungen ist die Bekämpfung der Cybercrime in der strategischen Ausrichtung der niedersächsischen Landespolizei 2020 ein wesentliches Kernelement. Dabei bildet das Vorhaben, landesweit erheblich mehr Personal zu qualifizieren und externen Sachverstand einzubinden, einen konkreten Schwerpunkt. Die Ergebnisse einer landesweit eingesetzten Arbeitsgruppe zu technischen, organisatorischen und personellen Anpassungen werden nachhaltig unterstützt und gemeinsam mit den Polizeibehörden schrittweise einer Umsetzungsprüfung unterzogen. Damit einhergehend werden noch mehr Ressourcen für eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung innerhalb der Polizei für diesen Bereich bereitgestellt. Darüber hinaus wird eine bessere IT-technische Ausstattung sowohl in forensischen als auch ermittelnden Bereichen vorgenommen.

Ein den wachsenden Herausforderungen angepasstes Aus- und Fortbildungskonzept für die Polizei Niedersachsen wird bereits mit dem Ziel umgesetzt, laufend weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Bekämpfung von Cybercrime zu qualifizieren. Zur Erprobung moderner Lernformen erfolgt die Wissensvermittlung für die Spezialisten der Cybercrime-Bekämpfung mit Unterstützung externer Expertise der Hochschule Emden/Leer auch durch Webinare. Dieses Instrument wird auch künftig zur effizienten Fortbildung eingesetzt. Die bereits am 09.12.2014 geschlossene Kooperation mit der Hochschule Emden/Leer wird intensiviert, um von weiteren gemeinsamen Vorhaben partizipieren zu können. Zukünftig werden viele Delikte ohne das erforderliche Cyber-Knowhow fachlich nicht mehr kompetent zu ermitteln sein.

Das Knowhow von wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen, insbesondere in den Bereichen Entschlüsselung von Programmcodes und Netzforensik ist darüber hinaus erforderlich, um dem Netzwerk der professionellen Cyberkriminellen ein hochqualifiziertes Netzwerk der Zivilgesellschaft entgegen zu stellen. Das LKA Niedersachsen trat auf der CeBit 2014 einer Sicherheitskooperation mit dem BITKOM e.V. und weiteren Landeskriminalämtern bei.

Die Präventionsprogramme der Polizei sind in erster Linie darauf ausgerichtet, die Bürgerinnen und Bürger als Nutzer der IT mit Blick auf die Erhöhung der Sicherheit ihrer digitalen Kommunikationsmedien und im Umgang mit ihren Daten stetig zu sensibilisieren. Mit dem „Ratgeber Internetkriminalität" sind über die Seite www.polizei-praevention.de des LKA Niedersachsen hilfreiche Informationen, tagesaktuelle Meldungen zu neuen Phänomenen und Verhaltenshinweisen für alle Bürgerinnen und Bürgern abrufbar. Die Möglichkeit einer direkten Beratung zu einem persönlichen Anliegen erfährt dabei einen großen Zuspruch.

Daneben betreibt die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime im LKA Niedersachsen eine forcierte Zusammenarbeit insbesondere mit kleinen und mittelständischen niedersächsischen Unternehmen zur Vertrauensbildung und zum gegenseitigen Informationsaustausch.

Die Bemühungen staatlicher und nicht staatlicher Stellen um Intensivierung der Zusammenarbeit erscheinen umso dringender, da der Phänomenbereich Cybercrime zurzeit nicht ganzheitlich überblickt werden kann. Darüber hinaus wurden auch auf internationaler Ebene insbesondere in den Europol- bzw. Interpol-Kooperationsrahmen diverse Tagungs- und Informationsaustauschformate realisiert.

Die Landesregierung nimmt sich den besonderen Herausforderungen von Cybercrime an und legt damit die strukturellen Grundlagen für ein nachhaltiges Verhindern rechtsfreier Räume in der digitalen Welt.

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