Nds. Ministerium für Inneres und Sport klar

Brandschutz und Hilfeleistung

Historische Entwicklung

Die Bekämpfung eines Brandes und auch die Hilfeleistung bei Unglücksfällen sowie bei Notständen übersteigt in vielen Fällen die Kräfte des Einzelnen. Deshalb hatten sich schon seit frühen Zeiten die Bewohner einer Ansiedlung bei der Abwehr derartiger Gefahren zur Nachbarschaftshilfe zusammengeschlossen. Diese Hilfe beruhte zunächst einfach auf Gegenseitigkeit und war nicht organisiert. Im Laufe der Zeit wurden jedoch Regelungen getroffen, die jeden Bürger verpflichteten, sich bei Feueralarm an der Brandstelle einzufinden und dort Hilfe zu leisten.

Freiwillige Vereinigungen, die durch regelmäßige Übungen versuchten, die Brandbekämpfung schneller und wirkungsvoller zu machen, bildeten sich erstmals im 19. Jahrhundert. Hieraus entstanden dann später die "Freiwilligen Feuerwehren". Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, so 1851 in Berlin, wurden in den größeren Städten, in denen der Schutz durch die Freiwilligen Feuerwehren nicht mehr ausreichte, Berufsfeuerwehren eingerichtet.

Die Freiwilligen Feuerwehren waren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der Mehrzahl nicht rechtsfähige Vereine. 1938 erhielten die Vereine "Feuerwehr" einen öffentlichen Status. Im Zuge dieser Umorganisation wurden u. a. deren Aufgaben und die Finanzierung der erforderlichen Ausrüstung gesetzlich geregelt.

In Niedersachsen wurden nach dem 2. Weltkrieg mit dem Feuerschutzgesetz von 1949 die Aufgaben der Feuerwehren neu geregelt. Brandschutz wurde im wesentlichen Aufgabe der Gemeinden. Nach Abschluss der Verwaltungs- und Gebietsreform in Niedersachsen wurde auf Grund der Erfahrungen mit den Waldbrandkatastrophen 1975 und 1976 und wegen der vermehrt anfallenden technischen Hilfe im Straßenverkehr das Gesetz am 08. März 1978 durch das Niedersächsische Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehren (Niedersächsisches Brandschutzgesetz - NBrandSchG) abgelöst.

Brandschutz und Hilfeleistung blieben Aufgaben der kommunalen Gebietskörperschaften. Die Gemeinden wurden verpflichtet, - entsprechend den örtlichen Verhältnissen - eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten, zu unterhalten und einzusetzen. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen Berufsfeuerwehren, die in Städten ab 100 000 Einwohnern aufzustellen sind, Freiwilligen Feuerwehren und Pflichtfeuerwehren. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren leisten ihren Dienst ehrenamtlich.

Neben diesen Einrichtungen spielen die Werkfeuerwehren eine nicht unbedeutende Rolle. Sie werden von privatwirtschaftlichen Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen getragen und dienen dem Schutz eines bestimmten Objektes bzw. des Firmengeländes. Die Mitglieder der Werkfeuerwehren sind entweder nebenberuflich oder hauptberuflich für den Brandschutz tätig.


Sicherstellung des abwehrenden Brandschutzes und der Hilfeleistung durch die Feuerwehren

Feuerwehren in den Städten und Gemeinden

In allen 429 Gemeinden und Städten des Landes Niedersachsen gibt es leistungsfähige Freiwillige Feuerwehren. Bis auf wenige Ausnahmen - z.B. auf den Ostfriesischen Inseln - sind diese in Ortsfeuerwehren untergliedert. Landesweit existieren, Stand 31.12.2009, 3.356 Ortsfeuerwehren, in denen 127.160 Mitglieder ehrenamtlich tätig sind. Die Mitglieder teilen sich auf in 12.084 Frauen und 115.076 Männer. An diesen Zahlen ist leicht zu erkennen, dass der Schutz der Bürgerinnen und Bürger durch die Feuerwehr in hohem Maße ortsnah vorhanden ist. Statistisch gesehen ist in Niedersachsen jeder 62. Einwohner in der Feuerwehr!

Die 10 großen niedersächsischen Städte Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Oldenburg, Osnabrück, Salzgitter, Wilhelmshaven, Cuxhaven und Wolfsburg haben Berufsfeuerwehren mit insgesamt 1.964 hauptberuflichen Feuerwehrleuten eingerichtet. Neben einer Berufsfeuerwehr ist aber immer auch eine Freiwillige Feuerwehr notwendig, um den Brandschutz umfassend sicherzustellen. In den 3 Städten Delmenhorst, Emden und Hameln entlasten Hauptberufliche Wachbereitschaften mit insgesamt 142 hauptberuflichen Kräften die ehrenamtlichen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr von einer Vielzahl von Einsätzen.

Jugendabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren

Dauerhaften Bestand hat eine freiwillige Einrichtung nur dann, wenn sie sich auf die ehrenamtliche Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger stützen kann. Außerordentlich wichtig ist dabei, dass immer hinreichend viele junge Menschen einen Zugang zu dieser Einrichtung finden.

Abgesehen von einigen Ausnahmen leiden die Freiwilligen Feuerwehren nicht unter bedrohlichem Nachwuchsmangel. Der überwiegende Teil dieses Nachwuchses rekrutiert sich aus den Jugendfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehren. Es gibt z. Z. im Land 1.949 Jugendabteilungen bei den Freiwilligen Feuerwehren mit zusammen 31.957 Mitgliedern, davon etwa 23.000 Jungen und 9.000 Mädchen.

Kinderfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehren

Das Interesse an Feuerwehr beginnt bei Kindern nicht erst mit 10 Jahren. Denn erst ab diesem Alter dürfen Kinder in der Jugendfeuerwehr mitmachen. Um auch Jüngeren die Möglichkeit zu geben sich mit dem Thema Feuerwehr zu beschäftigen, sind in der letzten Zeit in einigen Freiwilligen Feuerwehren Kinderfeuerwehren eingerichtet worden. Hier wird Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahre spielerisch das Thema Feuerwehr nahe gebracht. Es gibt zurzeit ca. 300 Kinderabteilungen (Floriansgruppen, Bambinifeuerwehr etc.) mit etwa 4.000 Mitgliedern. Die Tendenz ist steigend.

Zentrale Ausbildung der Feuerwehrangehörigen

Die Ausbildung aller Feuerwehrangehörigen erfolgt - bis auf die Grundausbildung und die grundlegenden technischen Lehrgänge - als Landesaufgabe an den niedersächsischen Landesfeuerwehrschulen in Celle und Loy (Rastede). Beide Landesfeuerwehrschulen bieten zur Zeit 240 Lehrgangsplätze an und stellen neben dem Ausbildungsbetrieb auch Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung. Für diese Aufgaben sind an beiden Landesfeuerwehrschulen insgesamt ca. 75 Menschen beschäftigt. Hinzu kommen für fachspezifische Belange Gastdozentinnen und Gastdozenten aus den Feuerwehren und anderen Einrichtungen.

www.feuerwehrschulen.niedersachsen.de

Technische Ausrüstung

Bei den Berufsfeuerwehren, den Freiwilligen Feuerwehren und den Werkfeuerwehren sind für die Aufgaben Brandbekämpfung und Hilfeleistung ein erhebliches Potenzial an Feuerwehrfahrzeugen und technischer Ausrüstung vorhanden. Im Jahre 2009 waren in 3.483 Gebäuden der Feuerwehr untergebracht:

5.063 Löschfahrzeuge
206 Hubrettungsfahrzeuge
526 Rüst- und Gerätewagen sowie
108 Schlauchwagen

Einsatzzahlen des Jahres 2009

Die niedersächsischen Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren sowie die neben- und hauptberuflichen Werkfeuerwehren wurden im Jahr 2009 zu einer großen Anzahl Einsätze zur Brandbekämpfung und Technischen Hilfeleistung gerufen, und zwar zu

20.101 Bränden
50.960 Technische Hilfeleistungen
11.333 Fehlalarme
363 böswillige Alarme
7.869 sonstigen Anlässen.

Sicherstellung des Vorbeugenden Brandschutzes

Neben dem abwehrenden Brandschutz kommt dem "Vorbeugenden Brandschutz" eine besondere Bedeutung zu. Brände lassen sich leider nicht völlig verhindern, aber man kann den Umfang des Schadens beeinflussen: Durch geeignete bauliche Maßnahmen können Vorkehrungen gegen eine Ausbreitung des Feuers getroffen und Möglichkeiten zur Rettung von Menschen sowie zur gezielten Brandbekämpfung geschaffen werden. Zur Vorsorge hat der Gesetzgeber Bauvorschriften erlassen, die Anordnungen über den vorbeugenden Brandschutz enthalten.

Aber vorsorgende Vorschriften allein genügen nicht: Es muss sichergestellt werden, dass diese Vorschriften auch eingehalten werden. Bei den Landkreisen und der Region Hannover sowie den kreisfreien Städten ohne Berufsfeuerwehr haben daher als hauptberufliche Mitarbeiter sogenannte "Brandschutzprüfer" die gesetzliche Pflicht und das Recht, Gebäude, Anlagen und Einrichtungen im Rahmen der sog. "Hauptamtlichen Brandschau" in regelmäßigen Zeitabständen auf ihre Brandsicherheit zu prüfen. In den Städten mit Berufsfeuerwehr wird diese Aufgabe von der Abteilung "Vorbeugender Brandschutz" wahrgenommen. In erster Linie werden dabei Objekte geprüft, die ein erhöhtes Brandrisiko aufweisen oder in denen sich viele Menschen aufhalten bzw. erhebliche Sachwerte gefährdet sind. Dazu gehören unter anderem Sonderbauten wie Schulen, Krankenhäuser, Theater, Versammlungsstätten, Warenhäuser, Gewerbe- und Industriebetriebe sowie größere landwirtschaftliche Betriebe. Aber auch Wohnanlagen, insbesondere Wohnhochhäuser, können Gegenstand der Brandschau sein.

Die Brandschutzprüfer werden darüber hinaus auch als Gutachter zur Beratung der Bauaufsichtsbehörden bei Sonderbauten herangezogen, da die Bestimmungen der "Niedersächsischen Bauordnung" nicht alle möglichen Einzelfälle abdecken. Sofern bei Baumaßnahmen mehrere Landkreise oder kreisfreie Städte betroffen sind, z.B. bei Autoteststrecken oder Öl- und Gaspipelines, wird diese Aufgabe zur Landesaufgabe.

Feuermelder
Abschlussbericht

Sicherstellung des Brandschutzes in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels

 Bericht
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