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Minister Pistorius stellt Ergebnisse der 2. niedersächsischen Dunkelfeldstudie für 2015 vor

- Verringerung der Kriminalitätsfurcht

- Leicht sinkende Werte bei Bewertung der Polizeiarbeit

- Weniger Opfer, aber mehr Anzeigen computerbezogener Straftaten

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hat heute (25. Januar 2016) die Ergebnisse der zweiten niedersächsischen Dunkelfeldstudie vorgestellt. Mit der „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität" schafft Niedersachsen neben der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) eine weitere Grundlage, um die Entwicklung der Sicherheitslage im Land noch besser bewerten zu können. Die Ergebnisse sind für Niedersachsen insgesamt und für jede Polizeidirektion nach Alter und Geschlecht repräsentativ. „Mit der zweiten Befragungswelle sind nun erstmalig echte Vergleiche möglich, da Referenzwerte vorliegen. Wir können Entwicklungen dadurch noch besser erkennen und entsprechende Maßnahmen und Strategien ergreifen", so Minister Pistorius.

Die Ergebnisse der Befragung belegen, wie wichtig die Stärkung des Schutzes und der Unterstützung von Opfern ist. Minister Pistorius: „Viele Menschen nehmen durch ihre Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden oder sogar weil sie schon Opfer wurden, immense Einschränkungen in Kauf. Insbesondere Frauen meiden bestimmte Straßen oder Plätze, fahren abends und nachts nicht mehr Bus oder Bahn oder gehen nicht mehr aus. Hier müssen wir ansetzen, unter anderem auch dadurch, dass das Vertrauen in die Arbeit der Polizei noch weiter steigt." Das Dritte Opferrechtsreformgesetz, das seit Anfang des Jahres in Kraft ist, bringt viele Änderungen bezüglich der Stellung des Opfers einer Straftrat im Strafverfahren mit sich. Ziel des Gesetzes ist es, dass Opfer einer Straftat konsequent und in allen Stadien des Strafverfahrens als aktive Verfahrensbeteiligte von Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz wahrgenommen und entsprechend behandelt werden.

Auf Basis dieser rechtlichen Grundlage und unter Beachtung der neuesten Erkenntnisse aus der „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität" werden aktuell die Verfahren im Hinblick auf den Umgang mit Opfern von Straftaten überprüft. Sofern notwendig, wird dann im Zusammenspiel mit der Justiz und den Opferhilfeeinrichtungen das polizeiliche Handeln noch stärker an die Bedürfnisse der Opfer, ihren Schutz und im Hinblick auf ihre Unterstützung angepasst.

Wie bei der ersten Befragungswelle wurden erneut 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner Niedersachsens ab 16 Jahren durch das Landeskriminalamt angeschrieben und zu individuellen Opfererfahrungen und Gründen für die Anzeige- bzw. Nichtanzeige von Straftaten, verschiedene Dimensionen der Kriminalitätsfurcht oder der Bewertung der Polizei und ihrer Arbeit befragt. Die Bereitschaft zur Teilnahme war wie bereits bei der ersten Befragungswelle sehr groß. Wurde in der ersten Befragung schon ein Rücklauf von 47,4 Prozent erreicht, lag dieser in der zweiten Welle schon bei 51,1 Prozent (20.438 eingegangene Fragebögen) - ein für eine solche schriftliche Befragung außerordentlich positiver Rücklauf.

Nachdem Niedersachsen 2013 noch das einzige Bundesland war, das eine derartige Befragung initiiert hat, haben inzwischen auch andere Länder ähnliche oder sogar identische Studien durchgeführt, etwa Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein.

Zu den Ergebnissen hierzulande im Einzelnen:

• „Die Furcht der Menschen in Niedersachsen vor Kriminalität ist insgesamt gering und hat sich seit der ersten Befragungswelle noch verringert, das ist ein gutes Ergebnis", so LKA Präsident Uwe Kolmey. Dies gilt für alle gemessenen Dimensionen - die Befürchtung, Opfer einer Straftat zu werden, die konkrete Wahrscheinlichkeitseinschätzung einer eigenen Opferwerdung sowie die raumbezogene Kriminalitätsfurcht.

Allerdings existieren geschlechtsbezogene Unterschiede: Frauen haben grundsätzlich eine größere Befürchtung, Opfer einer Straftat zu werden als Männer. Dies gilt insbesondere in Bezug auf das raumbezogene Sicherheitsgefühl. Hier liegen die Anteile der Frauen, die angaben, sich unsicher oder gar sehr unsicher zu fühlen, um mehr als das Doppelte höher als bei Männern (14,3 bzw. 5,9 Prozent). In der Dunkelheit außerhalb der eigenen vier Wände sinkt das Sicherheitsgefühl bei beiden Geschlechtern gleichermaßen:

Mehr als jede zweite Frau (54,1 Prozent und mehr als jeder vierte Mann (25,9 Prozent gaben ein (eher) geringes Sicherheitsgefühl an, wenn ihnen nachts allein eine fremde Person in der Nachbarschaft begegnet.

Bemerkenswert ist, dass das raumbezogene Sicherheitsgefühl sich bei den Geschlechtern nach Alter unterschiedlich verhält. Während jüngere Männer unter 21 Jahre nur zu vier Prozent ein (eher) geringes raumbezogenes Sicherheitsgefühl äußern, ist dieser Anteil bei der Altersgruppe jenseits der 80 Jahre doppelt so hoch (8,1 Prozent Bei Frauen ist dieses Verhältnis genau umgekehrt (bis unter 21 Jahre: 24,1 Prozent über 80 Jahre: 12,9 Prozent).

• Die Sicherheitslage in Bezug auf die allgemeine Kriminalität, die abgefragt wurde, unterliegt keinen wesentlichen Veränderungen. Schwere Delikte wie Raub, Körperverletzung oder Sexualdelikte sind noch immer vergleichsweise selten (nur 0,5, 1,9 bzw. 1,5 Prozent der Befragten gaben eine entsprechende eigene Opferwerdung an). Der Anteil von durch Diebstahl betroffenen Personen nimmt zu (11,7 statt 10,9 Prozent), die Betroffenheit durch die von den Befragten angegebenen Cybercrime-Delikte ist dagegen rückläufig (11,6 statt 12,5 Prozent).

Es sind vor allem jüngere Menschen, die Opfer von Straftaten werden. Dies gilt vor allem für Straftaten, bei denen eine höhere Opferwerdungsrate jüngerer Altersgruppen, etwa durch intensivere Teilnahme am öffentlichen Leben, erklärbar ist (beispielsweise Körperverletzungen). Bei anderen Delikten, bei denen besonders verletzliche Opfer tatbegünstigend erscheinen (Raub, Betrug ohne Nutzung des Internet), sind keine deutlichen Alterseffekte hinsichtlich der Opferwerdung festzustellen.

Männer werden, wie schon in der ersten Befragung festgestellt, häufiger Opfer. Die einzige Ausnahme stellen Sexualdelikte dar, hier insbesondere Delikte unterhalb der Schwelle des Missbrauchs. Solche Taten, die als sexuelle Bedrängung zu fassen sind, wie beispielsweise das Antatschen, werden von achtmal mehr Frauen berichtet als von Männern (2,6 zu
0,3 Prozent).


• Im Vergleich zur vorherigen Studie gibt es grundsätzlich kaum Unterschiede bei den Anzeigequoten.
Erfreulich ist, dass im Rahmen der zweiten Befragung signifikant häufiger angegeben wurde, computerbezogene Straftaten angezeigt zu haben (12,1 zu 8,5 Prozent in der ersten Befragung). Wenn eine Anzeige gestellt wurde, war das wichtigste Motiv der Wunsch, den Täter zu fassen und zu bestrafen. Wurde keine Anzeige gestellt, war der Grund hierfür am häufigsten die Einschätzung, dass die Tat nicht so schwerwiegend gewesen sei.

• Die Nachwirkungen von Straftaten sind vor allem auf der emotionalen Ebene zu suchen. Negative emotionale Folgen überwiegen selbst bei Körperverletzungen die gesundheitlichen und beim Diebstahl die finanziellen Folgen. Sexualdelikte und Wohnungseinbrüche weisen das stärkste Ausmaß an Folgen für die Befragten auf.

• Die Wahrnehmung der Polizei und ihrer Arbeit hat sich leicht verschlechtert. Zwar stellt die weit überwiegende Zahl der Menschen der Polizei ein gutes bis sehr gutes Zeugnis aus, aber der Anteil jener, die über ihre Antworten Kritik formulieren, ist gestiegen. Insbesondere vermissen die Menschen, nachdem sie sich an die Polizei gewendet haben, Informationen über den Fortgang ihres Anliegens: Vier von zehn (40,1 Prozent) Opfern fanden eher nicht, dass die Polizei sie auf dem Laufenden gehalten hat.

PK Ergebnisse Dunkelfeldstudie 25.01.2016
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