Nur Text Kontakt Impressum Datenschutz
MI

Suche
Start
Erweiterte Suche
Innovatives Nieders.
Logo der Kampagne "Innovatives Niedersachsen"
Portal Niedersachsen
zurück zum Portal
Niedersächsisches Innenministerium
|
 Aktuelles 
|
 Themen 
|
 Der Minister 
|
 Wir über uns 
|
 Service  | - - - -
Pfad
- - - -
Home
Aktuelles
Themen
Der Minister
Wir über uns
Service
Inhaltsverzeichnis
Editorial 1/ 2001
Birgit Loff: "Blume ist Kind von Wiese"
Jörg Boström: Kultur im Netz - Versuch einer Klärung im Internet
Kokora Michel Gnéba: Angst vor Kulturverlust? Stirb und Werde
Fatma Sarigöz: Direkt vor der Haustür ... Eine kulturelle Entdeckungsreise
Solveig Vogel: Portrait: Hans-Joachim Elsner - Ein Meister der Motivation
Thomas Garzke: Wahlverwandtschaften - Bericht über ein Filmprojekt -
Eine Maßnahme mit Zukunft - "Frauen bereiten sich auf die Arbeit vor"
Politik: Landesweite Initiative
Nachrichten Ausgabe 1/2001
Impressum Ausgabe 1 /2001
Solveig Vogel: Portrait: Hans-Joachim Elsner - Ein Meister der Motivation

Hans-Joachim Elsner ist sehr gewissenhaft. "... und akribisch hinter meinen Zielen her", wie der gelernte Buchhalter von sich selbst sagt. Das gelte nicht nur im Beruf, sondern auch in seiner Freizeit. Die widmet der 51-Jährige überwiegend dem Turn- und Sportverein (TuS) Marathon in Peine, in den er 1956 als kleiner Junge eintrat, um Fußball spielen zu lernen.

Inzwischen ist er es, der dem jüngsten Nachwuchs das Kicken beibringt. Und ihm ist es zu verdanken, dass es überhaupt wieder Kinder und Heranwachsende beim TuS Marathon gibt. Denn bis Elsner 1989 begann, junge Leute für den Verein zu gewinnen, hatte die Jugendarbeit 16 Jahre lang brach gelegen. "Das Durchschnittsalter unserer 135 Mitglieder lag damals bei 30 Jahren, wir waren fast schon ein Altherrenclub", erinnert er sich.
Heute dagegen sind es 450, darunter rund 200 Jungen und Mädchen unter 18 Jahren. Mit Schaffensfreude und Überzeugungskraft ist dem Peiner gelungen, wovon viele andere Sportclubs träumen: der Nachwuchs bleibt in der Regel jahrelang bei der Stange. Erreicht hat Elsner das vor allem durch seinen persönlichen Einsatz. Als er anfing, die Werbetrommel für den Verein zu rühren, klebte er Beckenbauers Konterfei auf ein Blatt Papier, das Bild eines Fußballs daneben und schrieb darüber: "Du kannst das auch." Mit Fotokopien dieses simplen wie eindrucksvollen Blättchens besuchte er Schulklassen und Kindertagesstätten, um für seine Sache zu werben.
Der Appell an das sportliche Selbstbewusstsein der Kleinen fiel auf fruchtbaren Boden. Seiner ersten Einladung zum gegenseitigen Kennenlernen bei einem Grillnachmittag folgten bereits zehn Kinder mit ihren Eltern, noch 1989 konnte er eine E-Jugendmannschaft aufstellen. "Aber wir haben nicht nur Fußball gespielt, sondern auch sonst viel unternommen", betont Elsner. Schließlich lebe die Gemeinschaft davon, dass man sich auch über das Training hinaus gut miteinander verstehe. Deshalb organisierte er schon damals für die kleinen Vereinsmitglieder Fahrten ins Schwimmbad, in den Zoo oder zu Wochenend-Zeltlagern. Solche geselligen Aktionen kamen an, beim Nachwuchs ebenso wie bei dessen Eltern. Die Kinder brachten bald ihre Geschwister und Freunde mit, ihre Väter boten an, die Jugendarbeit Elsners zu unterstützen. "So habe ich den Stein ins Rollen gebracht", erzählt der engagierte Sportler.

Neben Kicken bot der Verein bald auch Handball, Kinderturnen sowie Mutter-und-Kind-Turnen an. Drei Fußballmannschaften der E- und F-Jugend kamen 1990 hinzu und seit Mitte der 90er gibt es sogar wieder eine A-Jugend beim TuS Marathon. "Die Älteren waren schwer zu packen", gesteht Elsner. Aber geschafft hat er es doch, nicht zuletzt mit Hilfe seiner Akribie. So überlegte er sich, wie er wohl Jungen etwa aus türkischen, russischen, albanischen oder polnischen Familien in die Teams integrieren könnte. Die blieben nämlich oftmals fern, weil ihre Eltern ihnen das Kicken im Verein nicht erlaubten, erklärt Elsner. Denn viele ausländische Väter und Mütter fürchteten, unter Training und Klubleben könne der ohnehin schwierige Anschluss an den Schulunterricht leiden. "Wenn mir einer meiner Jungs von einem solchen Fall erzählt, lasse ich mir die Nummer geben und rufe dort an", berichtet er. Er lädt die betreffenden Eltern zu einem Gespräch ein und erklärt ihnen, wie wichtig Sport, persönliche Kontakte und Gemeinschaft auch für schulische Leistungen sind. Überzeugend wirkt zudem sein Angebot, den jungen Leuten jeweils eine Stunde vor dem Training bei ihren Schulaufgaben zu helfen, was diese gern in Anspruch nehmen. "Heute sind rund 40 Prozent der Vereinsjugend ausländischer Herkunft", sagt Elsner.

Seine Arbeitskollegen nennen ihn einen Meister der Motivation. Denn er versteht es, die jeweils eigenen Fähigkeiten im Menschen zu stärken, im Job wie auf dem Fußballplatz. "Wenn die Kinder merken, dass man ihnen etwas zutraut, leisten sie auch etwas", weiß der Jugendwart aus Erfahrung. Allerdings müsse man sehr aufpassen, dass man ihnen nicht zuviel zumutet, denn darüber würden sie den Spaß am Sport schnell verlieren. Diese schmerzliche Erfahrung habe er einst bei seinem eigenen Sohn machen müssen. "Das passiert mir kein zweites Mal", versichert Elsner. Um wirkungsvoll das Beste aus seinen Schützlingen herauskitzeln zu können, nimmt er regelmäßig an psychologischen Schulungen teil und gibt sein Wissen an die Trainer des TuS Marathon weiter.

Sich selbst will der Sportsmann übrigens auch nicht überfordern. Deshalb plant er, sich in absehbarer Zeit aus dem aktiven Vereinsleben zurückzuziehen. Derzeit verbringt er insgesamt etwa zwölf Stunden pro Woche auf dem Spielfeld mit der Bubi-Mannschaft, als Leiter der Herren-Gymnastikgruppe oder mit organisatorischen Arbeiten wie etwa dem Aufbau einer Jugend-Spielgemeinschaft mit anderen Peiner Sportvereinen. "Meine Frau ist im Vorstand und ähnlich verrückt, sonst ginge das gar nicht", scherzt er. Doch inzwischen habe er fast alle Ziele, die er sich für den Verein gesteckt habe, erreicht. "Jetzt fehlen nur noch eine gute Herrenmannschaft und ein Nachfolger für die Jugendarbeit, dann kann ich gehen."

Doch bis dieser sicher ist, bleibt er. Denn die Jugendlichen sollen sich auch nach seinem Abschied im TuS Marathon gut aufgehoben, eingebunden und ernst genommen fühlen. Schließlich sind das die Zutaten, aus denen seine erfolgreiche Jugendarbeit besteht. "Die darf nicht zusammenstürzen wie ein Kartenhaus."

Solveig Vogel, Journalistin, Hannover

- - - -