Nds. Ministerium für Inneres und Sport klar

Polizeiliche Kriminalstatistik 2006

Aufklärungsquote auf hohem Niveau stabil, Zahl der Straftaten nahezu unverändert Schünemann: Beleg für professionelle Arbeit


HANNOVER. Der positive Trend im Kriminalitätsgeschehen Niedersachsens hat auch 2006 angehalten: Erneut konnte mehr als jede zweite Straftat von der Polizei aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote, die in den letzten Jahren vier Mal in Folge gestiegen war, erreichte mit 55,52 Prozent nahezu den Rekordwert des Vorjahres (55,72 Prozent). Auch die Zahl der Straftaten blieb fast unverändert. Mit 603.597 Fällen registrierte die Polizei nur einen geringfügigen Anstieg um 0,34 Prozent (+2.040 Fälle).

Innenminister Uwe Schünemann, der die Polizeiliche Kriminalstatistik am Montag in Hannover vorstellte, bezeichnete die Zahlen als "einen deutlichen Beleg für die anhaltend gute Motivation und professionelle Arbeit unserer Polizei".

Eine erfreuliche Entwicklung ist nach Angaben des Ministers im Bereich der vollendeten Tötungsdelikte zu verzeichnen. Hier waren 2006 mit 225 Opfern 57 weniger zu beklagen als 2005. Zwar stieg die Gesamtzahl der so genannten Straftaten gegen das Leben um 24 auf 487 Fälle. Die Zahl der Versuche nahm jedoch von 45,6 auf 56,7 Prozent deutlich zu. Die seit Jahren sehr hohe Aufklärungsquote betrug über 94 Prozent.

Positiv verlief auch die Entwicklung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Nachdem die Fallzahlen im Vorjahr noch um mehr als elf Prozent gestiegen waren, registrierte die Polizei 2006 einen Rückgang um neun Prozent auf 5.222 Fälle. Deutlich war die Abnahme bei der Vergewaltigung/ sexuellen Nötigung (-8,61%) und beim sexuellen Missbrauch von Kindern (-19,73%). Während die Fälle des Besitzes von Kinderpornografie von 463 auf 513 (+10,8%) zunahmen, gab es eine Abnahme bei der Ver-breitung derartiger Erzeugnisse von 423 auf 339 Fälle um fast 20 Prozent.

Schünemann erinnerte daran, dass zur Bekämpfung der Internetkriminalität im vergangenen Jahr im LKA Niedersachsen die Organisationseinheit "Anlassunabhängige Recherche in Datennetzen" eingerichtet worden sei, die im Herbst 2006 ihre Arbeit aufgenommen habe. "Die Täter hinterlassen im In-ternet Spuren, die wir aufnehmen, um den Fahndungsdruck zu erhöhen", betonte der Minister.

Der Anteil des Diebstahls an der Gesamtkriminalität ging 2006 wie in den Vorjahren erneut zurück, diesmal um annähernd zwei Prozentpunkte auf 43,1 Prozent, und war damit so niedrig wie nie zuvor. Maßgeblich dafür war die Entwicklung beim Ladendiebstahl (-3.621 Fälle/-9,28%) und bei Dieb-stahldelikten in Verbindung mit Fahrzeugen (-7.247 Fälle/-6,13%). So werden immer weniger Fahrzeuge gestohlen (-17,6%) oder aufgebrochen (-10,7%). Schünemann sagte, die Täter richteten ihre Aufmerksamkeit vornehmlich auf besonders leicht zu erlangendes Diebesgut, wie mobile Navigationsgeräte, die gut sichtbar im Fahrzeug platziert und leicht absetzbar seien.

Starke Rückgänge sind bei den Betrugsdelikten durch rechtswidrig er-langte unbare Zahlungsmittel erkennbar. Knapp 6000 registrierte Fälle entsprechen einem Rückgang von 23,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Annähernd 60 Prozent dieses Rückgangs betreffen Betrugshandlungen, bei der das Lastschriftverfahren ohne den Einsatz einer PIN zum Tragen kommt. Im Lastschriftverfahren werden Debitkarten (ehemals EC-Karten) häufig ohne PIN eingesetzt, ohne dass die Vorlage von Personaldokumenten verlangt wird. Schünemann wies darauf hin, dass Niedersachsen zum 01.04.2006 nach einer Pilotphase das Projekt KUNO (Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen) landesweit eingeführt habe und am bundesweiten Verfahren teilnehme. Durch ein abgestimmtes elektronisches Meldeverfahren über die Sperrung entwendeter Debitkarten gelinge es, betrügerische Lastschrifteinkäufe und damit entsprechende Schadenssummen zu minimieren. Schünemann: "Bei den Geschädigten und Anzeigeerstattern sowie den Gewerbetreibenden hat dieses System eine hohe Akzeptanz gefunden. Die positive Entwicklung der Fallzahlen dürfte auch auf die verstärkte Inanspruchnahme dieses Verfahrens zurückzuführen sein."

Eine deutliche Steigerung um 3.189 Fälle (+32,76%) auf 12.924 Fälle verzeichnete die Polizei beim Warenbetrug. Hier waren erneut insbesondere die Verkäufe über die unterschiedlichsten Plattformen – allen voran die Internetauktionshäuser – dominierend.

Zuwächse registrierte die Polizei abermals bei den Rohheitsdelikten. Zu-rückzuführen ist der Anstieg von 6,7 Prozent vor allem auf rund 50.800 Fälle von Körperverletzungen (+3.264) und rund 9.500 Straftaten gegen die persönliche Freiheit, wie Bedrohung und Nötigung (+737). Erfreulich ist allerdings, dass die Anzahl von Raubdelikten zurückgegangen ist. Die Aufklärungsquote lag hier erneut knapp über 90 Prozent.

Die Rauschgiftdelikte befinden sich mit 25.481 Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr (25.938), die Zahl der Rauschgifttoten sank von 80 auf 76. Schünemann wies darauf hin, dass die Polizei ihr Hauptaugenmerk auf die qualifizierten Delikte wie das bandenmäßige Anbauen, Herstellen und Handeln (114 Fälle, 2005: 78) sowie den Handel nicht geringer Mengen (679 Fälle, 2005: 480) gelegt habe und auch künftig legen werde. Von besonderer Bedeutung sei weiterhin der sonstige illegale Anbau von Rauschgift mit 245 Fällen (241), besonders in so genannten Indoor-Plantagen. "Allein im vergangenen Jahr sind zehn größere Plantagen, eine mehr als 2005, mit jeweils mehr als 100 Cannabispflanzen entdeckt worden", sagte der In-nenminister.

Während 2006 erneut ein Anstieg der deutschen Tatverdächtigen (+2,3 Prozent) auf 198.182 zu verzeichnen war, sank die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen deutlich um 14,8 Prozent auf 36.669. Sie machen damit nur noch einen Anteil von 15,6 Prozent an den Gesamttatverdächtigen aus – das ist der niedrigste Wert in den letzten zehn Jahren.

 

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16.04.2007

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